Was ist größer? Die Welt oder der Wortschatz mit dem wir sie beschreiben?

Heidi 2.0

Posted: Oktober 7th, 2014 | Author: | Filed under: 01 Allgemein, 02 Diary | No Comments »

Hallo allerseits. Ich bin die Conny. Und wer mich nicht kennt, der sollte wissen: Ich komm’ aus Wien. Jawohl. Ich bin ein richtiges Stadtkind. Hier geboren und aufgewachsen. Ich mag Asphalt und Abgase, ich kann ohne Straßenlärm nicht einschlafen. Und meine Vorstellung von Natur beschränkt sich auf die kleinen Grünflächen, die Neben- von Hauptstraßen trennen. Ihr wisst schon, die, in denen diese Papphunde stecken, die ans Sackerl fürs Gackerl erinnern. Ach, schön ist das. Diese Idylle. Nur Bäume mag ich nicht. Ich bin nämlich gegen alles allergisch, was keine Palme ist. Jedes Jahr im März und April seh’ ich aus wie ein Maulwurf. Ein scharfer Maulwurf, keine Frage, aber dennoch ein bisschen zu aufgedunsen für meinen Geschmack. Aber hey, solange es Allergietabletten gibt, komme sogar ich problemlos durch den Frühling. So richtig mit Sehen und Atmen gleichzeitig. Manchmal geh’ ich sogar wandern. Mit genügend Proviant und festen Schuhen schaffe ich es bis auf den Gipfel Wiens, die Gloriette.

Als Wiener wächst man ja in dem Glauben auf, dass es in ganz Österreich nichts Vollkommeneres gibt als die gelobte Bundeshauptstadt. Doch dann wurde ich eines Besseren belehrt, als ich letztes Jahr im April in der Steiermark gelandet bin. Ja, auch die Provinz hat Potential. Sie ist nur eben irgendwie anders. Alles so grün, so frisch, so saftig. Da waren Weinberge, da waren Wiesen und Felder. Und da war ein Steirer. Ein Steirer, der mich an die Grenze meiner Sprachbegabung brachte.

„Foahr ma auffi?“, sagte er und blickte mir erwartungsvoll in die Augen.

„Rauf? Noch weiter? Na gut, warum nicht!“, entgegnete ich. Als Stadtkind ist man ja durchaus offen für Abenteuer.

30 Minuten später fahren wir immer noch bergauf. Da ist weit und breit kein Asphalt mehr, nur Schotter und Wald. Ich schaue auf mein iPhone und bin fassungslos. Kein Empfang…meine Güte, ich bin völlig abgeschnitten von der Außenwelt! Gleich darauf der nächste Schock: Irgendetwas flitzt ein paar Meter vor uns über den Waldweg um gleich wieder im Dickicht zu verschwinden.
„Schau! Ein Reh!“ Ich klinge wie ein 5jähriges Mädchen, das mit Mama und Papa zum ersten Mal den Zoo besucht und ernte ein Kopfschütteln und einen herzhaften Lacher „Des woar a Hos’!“
Ein Hase?! Um Himmels Willen! Da muss irgendeine Rasse heftig mutiert sein. Ich dachte Feldhasen wären nur unwesentlich größer als das Zwergkaninchen, mit dem ich mir seinerzeit das Kinderzimmer geteilt habe. Aber DAS, das sah aus wie ein Rehkitz. Gut, ich gebe zu die langen Ohren hätten mich stutzig machen müssen. Naja, Gott sei Dank bin ich hier mit einem Eingeborenen unterwegs, der mich über Land, Leute und hiesiges Getier aufklärt. Und bekanntlich kommt man ja nie blöder nach Hause, als man weggefahren ist.

Endlich lichtet sich das Grünzeug und ich traue meinen Augen nicht. Ich stehe mitten in einer Kulisse, wie ich sie nur aus ORF2 Programmen kenne. Zwei rustikale Häuser, das Sonnenlicht spiegelt sich im Brunnen, der gemächlich vor sich hin plätschert, während ein Jagdhund wie in Zeitlupe auf mich zugelaufen kommt und mich mit einem kurzen Begrüßungsbellen kurz aus meiner wildromantischen Träumerei reißt (Und ja, es war wirklich ein Hund und kein mutierter Feldhamster).
Ich verspüre plötzlich das starke Bedürfnis mir zwei Zöpfe zu flechten, meine Brüste hochzuschnallen, in ein Dirndl zu schlüpfen und bloßfüßig über die Blumenwiese zu hüpfen. Vielleicht vertrag’ ich aber einfach die dünne Bergluft nicht so gut und fange an zu halluzinieren.

Der Steirer-Man, dem ich diesen Ausflug zu verdanken habe, wird indes mit einem Mal vom Matthias zum Hias, vom Anzugfritz zum Lederhosenträger und ich von der Quasselstrippe zur personifizierten Sprachlosigkeit.
Wieder höre ich „Kumm, foahr ma auffi!“
„Wohin denn noch?!“, denke ich, und habe immer noch mit dem Druckausgleich in meinem linken Ohr zu kämpfen.
Wir steigen in einen rostigen PickUp. Der Hund macht es sich auf der Ladefläche gemütlich, neben ihm eine Kettensäge und auf dem Rücksitz ein Gewehr. Nein, hier nimmt die Geschichte keine dramatische Wendung, wie ihr Flachländer jetzt vielleicht vermutet. Angst ist dennoch angebracht. Denn nun folgt ein wenig Kitsch:

Ein paar Offroad-Kilometer später haben wir es aus dem Wald geschafft. Ich steige aus dem PickUp und stehe auf einer Wiese inmitten von Löwenzahn und Kuhfladen. Traumhaft! Kein Mensch weit und breit. Nur ich, der Hias und eine Bergkapelle – in die ich übrigens nicht hinein gegangen bin. Werde mich hüten, wo ich doch im Flachland schon keinen Eintritt bezahle. Ein bisschen Glauben habe ich da oben aufm Berg allerdings schon gefunden. Ich glaube nämlich, dass es keine gute Idee gewesen wäre das Gotteshäuschen als Großstadt-Antichrist aufzusuchen, und einen direkten Blitzschlag zu riskieren. Ob es ihn gibt oder nicht, seine Treffsicherheit läge sicher nahe an den 100 %, vor allem wenn ich hier oben mit dem Kopf sowieso schon fast in den Wolken stecke.

Schön. Viel zu schön hier. Nur auf so viel Sauerstoff war ich nicht vorbereitet. Die ganzen drei Stunden Richtung Wien habe ich verschlafen. In Altmannsdorf halten wir schließlich an der ersten Ampel. Die Fenster gehen runter und das erste Feinstaubwölkchen weht mir direkt in die Nase. Ich drehe meinen Kopf zur Seite, sehe einen Würstelstand und höre die mir so vertrauten Worte: „A Eitrige und a 16er Blech, owa zackig!“
Ich kann mir das Lachen nicht verkneifen. Matthias klopft mir auf die Schulter und sagt: „Willkommen daham!“


Was, wenn…

Posted: März 29th, 2014 | Author: | Filed under: 01 Allgemein | No Comments »

Noch vor drei Wochen standen wir gemeinsam beim Poetry Slam in Salzburg auf der Bühne. Du hast deinen Text über den Nasenbär gelesen und uns alle – wie immer – zum Lachen gebracht. Und jetzt? Jetzt habe ich aufgehört zu lachen. Denn du bist gegangen. Viel zu früh! Und mit diesem Text nehme ich Abschied. Lieber Tom, wir werden dich nie vergessen!

Jemand hat mir mal gesagt, ich soll doch ein bisschen rotziger sein. Ich DARF nämlich ruhig ein bisschen rotziger sein. Ein bisschen wie damals im Kindergarten, als wir noch nicht so viel wussten und nicht so viel dachten. Als wir weniger überlegten und einfach mehr machten. Als der Rotz noch nicht Rotz hieß, sondern Nasenbär und wir noch gelobt wurden, wenn wir alles rausließen anstatt es einfach so runterzuschlucken.

Also rotz’ ich eben mal ein bissl was raus.

Steckt eh genügend fest, da zwischen Stirn und Kehle.
Im übertragenen Sinn, so zwischen Hirn und Seele.
Da trifft die ganze Logik auf ein kleines Häufchen Glauben,
zu viel Wissen und die Macht uns unserer Hoffnung zu berauben.
Doch keine Realität kommt dagegen an
wenn wir glauben, dass uns nichts passieren kann.

Aber was, wenn doch?

Wenn doch, WAS?
Ach komm, hör auf, is’ doch nur Spaß!
Spaß wie letztes Jahr, weißt du noch?
Ich weiß es noch als wär es gestern gewesen.
Da haben wir alle unsere Texte gelesen.
Und heute ist ein neuer Tag. Für mich. Und dich.

Aber was, wenn nicht?

Was, wenn deine Uhr zwar weiterläuft, aber dein Leben stehen geblieben ist?
Wenn dein Herz für so Vieles geschlagen hat, das plötzlich nicht mehr wichtig ist.

Wichtig…was ist denn überhaupt noch richtig?
Dieser eine Moment, da warst du noch da.
Alles danach…es ist doch einfach nicht wahr!

Denn auch, wenn es stimmt, ist es falsch. Denn es macht keinen Sinn.
Warum bist du weg, wenn wir hier geblieben sind?

Antworte mir! Wieso redest du nicht?
Dir hat’s doch noch nie die Sprache verschlagen.
Dein Schweigen ist einfach nicht zu ertragen.

Ich weiß, wir haben uns nicht gut gekannt.
Aber das ist ja, als red’ ich hier mit ’ner Wand.
Du kannst ja schlecht einfach verschwinden, wie in ein großes schwarzes Loch…

Aber was, wenn doch?

Nein, nein, keiner geht ohne Tschüss zu sagen.
Ohne ein einziges Wort.
Keiner ist einfach plötzlich so fort.

Ich meine JA, das passiert. Habs im Fernsehen gesehen.
Jeder von uns muss irgendwann gehen.
Naja nicht jeder, nein, die Anderen eben.
Wir hier, wir werden ewig leben.

Aber was, wenn nicht?

Was, wenn es stimmt mit dem Tod und dem Licht?

Ach, was red’ ich denn, du bist doch noch hier,
so wie damals beim Slam, du und ich, und ein Bier.
„Komm nach Wien, Tom, los! Ein Auftritt ist Pflicht!“
Komm schon, warum antwortest du nicht?
Sogar das Datum steht schon fest,
ich weiß nicht, warum du jetzt auf dich warten lässt.

Ich weiß es nicht…weiß es nicht… will es nicht wissen…
Doch ich wette, die Antwort ist richtig beschissen.
Aber solang ich nichts weiß, ist doch alles perfekt.
Dann bleibe ich gut vor der Wahrheit versteckt.

Im Spiegel seh’ ich mein eigenes Gesicht
Ich sag’ mir ich weiß nix, doch ich glaube mir nicht.
Ich sehe mich an und ich fang an zu schrei’n,
denn was oft schon reicht, ist die Ahnung allein.

Gott? Bist du das? Hast du ihn geraubt?
An dich hab ich ohnehin nie geglaubt.
Du hast keine Stimme, kein Körpergewicht,
ich bin mir ganz sicher: Es gibt dich nicht!

Aber was, wenn doch?

Was, wenn das große, schwarze Loch
kein Nichts ist, sondern ein neues Leben,
in dem wir uns alle wieder sehen?
Nur die Angst kommt dort sicher niemals an,
weil wir wissen, dass uns nichts mehr passieren kann!


ICH HABE BRÜSTE

Posted: März 8th, 2013 | Author: | Filed under: 01 Allgemein | No Comments »

Ich habe Bauchkrämpfe und alle Arten von Regelbeschwerden. Ich habe Cellulite am Arsch und ein völlig gestörtes Verhältnis zu mindestens vier weiteren Körperregionen. Ich verfalle in eine peinlich-hohe Stimmlage, sobald ich ein Baby in meinem Umfeld erblicke. Oder ein Zwergkaninchen. Oder ein Baby-Zwergkaninchen.

Ich habe praktisch keinen Orientierungssinn, kann keinen Nagel in eine Wand schlagen ohne ein Blutbad anzurichten und selbst wenn ich wüsste, was ein Abseits ist, würde ich es genauso für ein Gerücht halten wie den G-Punkt.

Ich kann nicht Kopfrechnen und bin so unsportlich, dass ich für jeden Aufstieg zu einer U6-Station zwei Dinge brauche: Erstens ein Sauerstoffzelt und zweitens einen Begleiter, bei dem ich mich auch eine Stunde später immer noch darüber aufregen kann, dass sich die Treppe einfach nicht mit meinen viel zu hohen Schuhen verträgt, für die ich gerade erst den Postboten angeschrien habe.

Ich werde eines Tages unter Höllenschmerzen einen Menschen mit einem Kopf wie eine Wassermelone aus meinem Körper pressen und mich 20 Jahre später mit topfgroßen Schweißflecken auf meiner Bluse und zunehmendem Haarausfall durch die Menopause kämpfen, während mich mein zweiter Ehemann im Zuge seiner Midlife-Crisis mit seiner Sekretärin bescheißt.

Das Leben als Frau ist wirklich kein Leichtes. Eigentlich gibt es überhaupt nur zwei Gründe, die es richtig lebenswert machen: BRÜSTE!
Hupen, Glocken, Mäusefäuste…die Quelle des Lebens…die eigene Milchbar. Ob klein oder groß, die Männer lieben sie! Und mal ehrlich: Die Dinger haben NUR Vorteile:

- Sie beulen das T-Shirt aus und lenken geschickt davon ab, wenn man mal wieder einen Knödel zu viel gegessen hat.
- Sie wachsen proportional zum Schwangerschaftsbauch mindestens um das Doppelte.
- Sie sorgen für Gleichgewicht, wenn der Arsch immer größer wird.
- Mit dem Alter kann man einen an der Hüfte baumeln lassen und den anderen nach hinten werfen, um die Bandscheiben zu entlasten.
- Mit Brüsten kann man Schnitzel klopfen, Tequila-Gläser einklemmen und jedem Typen ein ausgewachsenes Veilchen verpassen.
Und wenn sie sie nur richtig zusammenpresst und dabei – Multitasking sei Dank – gleichzeitig lasziv über ihre Oberlippe leckt, kann frau sogar zusätzlich Geld verdienen, indem sie im Fernsehprogramm nach 2 Uhr Früh Telefonnummern aufsagt.

Ja, es ist schön eine Frau zu sein. Eine von vielen. Eine von viel zu vielen! ICH HASSE FRAUEN. Naja, mit mir komm´ ich ganz gut klar. Phasenweise zumindest. Nur mit allen anderen wird’s dann problematisch. Aber auch nur deshalb weil die ja überall sind. Im Supermarkt, in den Öffis, im Fitness Studio, im Wahllokal. Scheiß Emanzipation! Man kann ja nirgends mehr hingehen, ohne dass einem von allen Seiten Östrogen entgegen schlägt. Ich wette sogar unter meinen Lesern sind ein oder zwei von der Gattung. Aber das ist ok, man muss der Krise direkt in die Augen blicken, wenn man sie loswerden will. Ich habe mich also entschieden mich meinem Problem ganz offensiv entgegen zu stellen. Wenn ich es jetzt nicht tue, wird es böse enden, sagt mein Therapeut.
Er meint, wenn ich so weitermache, würde meine Abneigung gegenüber anderen Frauen bald in einen Hass gegen die gesamte Menschheit umschlagen und ich würde mich mit fünf Katzen in einer Gemeindewohnung verschanzen und nie mehr wieder die Straße betreten.
Katzen…tz…ich würde mir maximal einen Kater holen. Der Typ hat ja wirklich keine Ahnung.

Und ich mein, mit der Östrogen-Sache muss ich mich ja sowieso herumschlagen. Tagtäglich. Ob ich will oder nicht. Mit Anfang 20 war mir das ja alles noch total egal, aber jetzt? Kaum geh ich auf die 30 zu wächst mir hier so ein borstiges, schwarzes Haar ausm Kinn. Ich stehe also regelmäßig vorm Spiegel und fange an mit so einer goldenen Pinzette an mir rumzuzupfen. Seht ihr, und da haben wir´s schon. Eines von diesen Frauenthemen. Oh wie ich sie hasse! Ich hab da mit meinem Therapeuten so eine Liste mit Reizworten zusammengestellt.
Er meinte es würde helfen zumindest den ersten Punkt einmal vor einer Gruppe laut vorzulesen. So würde ich lernen mich im Positiven damit auseinander zu setzen und wäre eines Tages in der Lage, mich in einen Frauen-Small-Talk zu wagen ohne, dass sich mein Gegenüber damit in unmittelbare Lebensgefahr begibt.

Ok…also…auf Platz 1 meiner Liste weiblicher Reizthemen: PASTELLFARBEN!
Rot, Blau, Grün, Schwarz, Weiß. Da ist doch nun wirklich alles dabei, um jedes Kleidungsstück, jedes Paar Schuhe und jeden Nagellack ausreichend beschreiben zu können, oder etwa nicht? NATÜRLICH NICHT! Da gibt es BEIGE, KORALLE und TÜRKIS. Und dann gibt es Pastellfarben. Dieses milchige Zeug. Damit beschäftigen sich Menschen, wenn sie ihre Hochzeit planen und die Kleider für die Brautjungfern aussuchen.

Das ist wie wenn man sich einen Virus eingefangen hat und nicht aufhören kann zu kotzen. Da findet man dann auch ganz plötzlich Reisschleimsuppe toll. So einen Virus hat meine beste Freundin grade. Sie heiratet im Juni und weil die wichtigste Position als Trauzeuge NATÜRLICH schon von einem Mann besetzt ist, werde ich in ein Kleid gesteckt. Nicht irgendein Kleid, NEIN, es ist der Tüll gewordene Albtraum aus PASTELL-LILA, mit Puff-Ärmeln und einer Riesen-Masche überm Arsch, damits auch zur Tischdeko passt!

Oh Herr, hilf mir das durchzustehen!
Oh Herr, gib mir die Kraft Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann!
Oh Herr, LASS MICH EIN MANN SEIN! Nur für einen Tag. Ich möchte wissen wie es sich anfühlt groß und kräftig zu sein. Ich will eine Axt in die Hand nehmen und Bäume fällen, während mir borstige Haare ÜBERALL aus dem Gesicht wachsen. Ich möchte einen großen Schluck Bier trinken ohne Schluckauf zu kriegen, T-Shirts anziehen, die nicht zu meinen Schuhen passen und mit einer Frau sprechen, als wäre sie ein wundervolles Wesen.
Oh Herr, bitte nimm mir nur eines nie: Meine Brüste!


Weltuntergang: delayed

Posted: Februar 23rd, 2013 | Author: | Filed under: 01 Allgemein, 04 wienwerk Advent - Eure Idee, meine Geschichte | No Comments »

Für Meli K.:

Februar 2013. Die Welt ist immer noch da. WIR sind immer noch da. Und ich bin´s auch. Obwohl ich eine lange Blog-Pause eingelegt habe. Tja, wer hätte gedacht, dass die Selbstständigkeit so richtig mit Arbeit verbunden ist? Wie auch immer. Ich habe einen Text versprochen. Und ich halte alles, was ich verspreche. Ich bin nur zu spät. Aber wer mich kennt, der wird mir das nicht übel nehmen. Naja, nicht mehr jedenfalls. Ist auch völlig sinnlos mir deshalb böse zu sein. Denn das wird sich wohl nie ändern. Nicht weil ich nicht will. Das hat damit gar nichts zu tun. Ich bin nur einfach absolut überzeugt davon, dass ich jede – und ich meine wirklich jede – Strecke innerhalb dieser Stadt in 20 Minuten schaffe. Ich habe im Laufe der Jahre tatsächlich schon viele meiner Überzeugungen über Bord geworfen, aber die behalte ich. Komme was da wolle.

Ich weiß, dass die Wiener Straßenbahnlinien im Winter schon aus Prinzip nicht daher kommen, bevor man sich nicht mindestens 13 Minuten lang den Arsch abgefroren hat. Trotzdem: Ich halte die Bewältigung von weiteren zwei U-Bahn-Strecken inklusive Fußmarsch zum Zielort in 7 Minuten für absolut machbar. Das beweist meine persönliche Statistik, in der ich…na gut…ok…ich war noch nie pünktlich. Obwohl auch das – wie alles im Leben – bekanntlich im Auge des (Uhr)Betrachters liegt. Die Südländer sehen das ja wesentlich entspannter. Aber gut. Irgendwie versteh´ ich, dass es sich an einer Strandpromenade schöner wartet, als mitten im österreichischen Schneematsch. Der entspannt mich auch nicht so richtig. Scheiß Winter. Naja. ich schweife ab. Schnell zurück zum Thema, bevor ich direkt die nächste Ode ans Auswandern verfasse.

Wer weiß, vielleicht haben ich und der Weltuntergang ja was gemeinsam. Er kommt. Nur eben mit gewaltiger Verspätung. Was bei mir eine viertel Stunde ist, sind in kosmische Verhältnisse umgerechnet vielleicht zwei Jahre? Vielleicht zwanzig? Ich kann das nicht wirklich einschätzen. Ich bin überhaupt schlecht mit Zahlen. Ob ich richtig in der Scheiße stecke, erkenne ich auf meinem Konto auch immer nur an den Farben. Wie auch immer…

Vielleicht waren die Maya´s auch nicht die Hellsten. Ich stelle mir vor, wie der Typ, der für diese Prophezeiung verantwortlich war, als kleiner Junge mit dem Zeugnis in der Hand nach Hause gelaufen kam:„Mami, Mami, ENDLICH FERIEN! Du musst nur DAS noch unterschreiben“:

Marketing, PR & Spiritueller Hokus-Pokus: Sehr gut.
Kunst & Kalenderkunde: Gut.
Astronomie: Befriedigend.
Spanisch: Genügend.
Risiko Management & Realistisches Denken: Nicht genügend.
Mathematik: Teilgenommen.

„DAS wirst du gleich deinem Vater erklären müssen, junger Mann! Und nun wasch´ dir die Hände, gleich gibt´s Mittagessen!“

Kurz darauf versammelt sich Familie Maya am Mittagstisch:

Frau Maya: „Ach Schatz, was soll nur aus dem Jungen werden?“
Maya Junior (stolz): „Meine Lehrerin sagt, ich bin kreativ und redegewandt!“
Herr Maya: „Aber Junior, damit lässt sich doch kein Geld verdienen (tätschelt Junior den Kopf und seufzt)! Geh´ und spiel´ mit deinem Kalender!“

So könnte es sich tatsächlich zugetragen haben. Wir werden´s nie erfahren. Es sei denn, es gibt ein Leben nach dem Weltuntergang. Dann treffen wir uns irgendwo im Nirgendwo. Wir ALLE. Bei einem Picknick in einem Park voller Dinosaurier. Jesus und seine Apostel machen das Catering und tragen T-Shirts, auf denen „Vom ersten bis zum letzten Mahl“ zu lesen ist. Christoph Columbus unterhält sich angeregt mit Albert Einstein, Freddy Mercury trinkt Prosecco mit Papst Johannes Paul II. und Lady Di tanzt mit Curt Cobain zu den sanften Klängen des Titanic-Streichquartetts. Und mich, meine Lieben, findet ihr dann auf einer karierten Decke inmitten der Maya-Gang. Jawohl, ich erkläre mich absolut solidarisch mit den Ahnungslosen. Mit all jenen, die schlau daherreden, in Wirklichkeit keinen Plan haben, aber dennoch schaffen, die ganze Welt von ihren Ideen zu überzeugen. Und das über Jahrhunderte! PR-technisch absolut genial. Ich meine, welche Marke hat es je geschafft, derartig lange präsent zu sein? Hm? Jaja, ihr Brand-Manager da draußen, ich sage euch: Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht im Bachelor-Studiengang für Marketing und Sales…NEIN…gehet hin und holet euch die Inspiration aus der GESCHICHTE! Back to the roots! Die Zukunft liegt in der Vergangenheit! Ich meine: Gegen den Maya-Kalender ist Red Bull – man verzeihe mir den rustikal-österreichischen Ausdruck – a „Lerchalschas“ (Deutsch: Die Flatulenz einer Lerche)! So sieht´s nämlich aus! Und wenn wir schon dabei sind:
Hiermit prophezeie ich, Cornelia Ertl, hier und heute, hochoffiziell, den Niedergang des Mateschitz-Imperiums, und zwar exakt am 17.5.3241! Woher ich das so genau weiß? Na, ich habe es berechnet! Die Menge an Energy-Drinks, die ich in den letzten sieben Jahren getrunken habe in Milliliter mal der Dosenanzahl im Verhältnis zur Wurzel aus der Anzahl der Dosenpyramiden, die ich daraus gebaut habe, dividiert durch die Nächte, die ich koffeinbedingt nicht geschlafen habe. IN YOUR FACE, MAYA´s!

Und wenn die Welt nicht untergeht, und auch Red-Bull noch grade steht,
dann wissen wir, es war ein Witz – Vom Maya, nicht vom Mateschitz!


EM 2012 Halbfinale: Deutschland vs. Italien

Posted: Juni 28th, 2012 | Author: | Filed under: 01 Allgemein, 05 Abseitsfalle - WM 2010 & EM 2012 | No Comments »

Piu bella cosa…lalalalalala…and now, ladies and gentlemen, please remain standing for the national anthem of GERMANYYYYYYYYY…puh, tief durchatmen. Ich gebe zu, ein kleines bisschen aufgeregt bin ich jetzt schon. Obwohl, Grund dafür hab´ ich keinen. Dass die Deutschen verlieren ist praktisch unmöglich.

Ich habe Bier und ich habe Popcorn. Abgelaufenes Popcorn. Naja, besser als an einem Abend wie diesem in der Lieblingspizzeria anzurufen. Denn selbst wenn sie abheben und mir eine ihrer sündigen Kalorienbomben liefern würden, dann wäre unser jahrelanges freundschaftlich- und wirtschaftliches (ich halte Anteile) Verhältnis nicht nur angeknackst, sondern wahrscheinlich für immer beendet, wenn ich in meinem Schweinsteiger-Dress die Türe öffne.

Eine Viertel Stunde ist gespielt, immer noch Null zu Null. Und als völlig neutraler Betrachter (*räusper*) stelle ich fest: Deutschland hat das Spiel fest im Griff. Der Torregen lässt bestimmt nicht mehr lange auf sich warten.

Mein Tipp: 4:2. Eines von Gomez, eines von Poldi und eines von Lahm…ich vergönne es auch dem Toni oder dem Miro…aber ich glaube das Vierte schießt uns dann ein Italiener.

20. Minute: Das erste Tor. Leider für die falsche Seite. Die blaue Nummer 9 köpfelt das Leder an Manuel Neuer vorbei. Macht aber nix. Die Spaghettis dürfen gerne auch mit zwei Toren in Führung gehen. Ich bin ja ein sehr großzügiger Deutschland-Fan.

Minute 27: Mesut Fisheye Özil…Mannnnnnnnnnnnnnn, hau doch drauf, Junge!! Nicht so zaghaft! So wird dat nix, ne?

Ich überlege…und wäge die Vorteile ab, die ein Sieg von Italien heute hätte. Hm. Viel fällt mir nicht ein, außer dass ich es doch noch in der Pizzeria meines Vertrauens mit einer Bestellung versuchen würde. Da lässt sich dann sicher einiges gratis rausschlagen!

Aber nein. KONZENTRATION! Ich sehe den Gesichtsausdruck von Gomez und bin zuversichtlich. Da zeichnet sich die blanke Entschlossenheit ab.

36. Minute: Das Schreiben fällt mir mit jedem Satz schwerer. Da ist dieser Typ. Bortolotti oder so ähnlich. Der mit dem Landingstrip aufm Kopf. Der Ball ist im Tor und ich kann es nicht kommentieren, weil ich damit beschäftigt bin mir die Tränen aus dem Gesicht zu wischen.

Na wenigstens eine Gelbe fürs Ausziehen. Sixpack hin oder her. Ich will von den Italienern nicht mehr sehen als unbedingt nötig!

Halbzeit.

So, jetzt wär´s dann mal langsam Zeit für einen Anschlusstreffer. Aber mich fragt ja keiner.
Habe inzwischen eine neue Theorie, warum´s heute nicht so flutscht, wie es flutschen sollte: Khedira hat sein Glückshaarband vergessen. Ist es euch auch aufgefallen? Da, wo sonst ein weißes war, ist heute ein schwarzer Gummi, der das Haupthaar zusammenhält. Das kann ja nix Gutes bedeuten. Lena, wenn das auf deinem Mist gewachsen ist, dann hast du dich grade ziemlich unbeliebt gemacht! Weiß doch jeder, dass man ein erfolgreiches Outfit nicht wechseln darf. NIEMALS! Vorrunde oder Halbfinale – Die Unterhosen müssen immer die gleichen sein! Vom Rest ganz zu schweigen.

Uuuuuuuuuh…Reus mit einem Wahnsinns-Freistoß. Sehr schön. Nicht schön genug.

Ich bin frustriert. Habe nicht mal Schokolade da. Nur Grappa. Aber den rühr´ ich aus Prinzip nicht an. Nicht heute!

So und jetzt ist er raus, der Bortolotti. Zeit wird´s. Sonst vergeht mir hier endgültig noch die Lust je wieder Schokoladeneis zu essen!

KOMMT SCHON, JUNGS!! MACHT MICH NICHT UNGLÜCKLICH!!!!!! Nicht mal ein Anschlusstreffer?? Nee, ne?

Minute 82 und ich muss leider zugeben…die Italiener haben sich das Finale absolut verdient. Gut gemacht! Schön gespielt!

Hands!! Das war HANDS!! EINDEUTIG!! Und das gibt einen Elfer in der Nachspielzeit! Özil am Ball und…und…und…TRIFFT!! HALLELUJAH! Die Ehre ist gerettet!

Gereicht hat´s leider trotzdem nicht, da ist der Schlusspfiff.

Deutschland ist weit gekommen. Ich bin ein großer Fan und ich bleibe es. Es war 2010 so, es ist jetzt so und es wird so bleiben! Ihr seid Spitzenklasse, Jungs! ICH LIEBE EUCH!

Liebe Leser, ich verabschiede mich gemeinsam mit meiner Mannschaft aus dieser EM. Genießt das Finale! Fußball oder nicht, ich freue mich, wenn ihr wieder reinlest!

Gute Nacht und arrivederci!