Was ist größer? Die Welt oder der Wortschatz mit dem wir sie beschreiben?

Kopf

Posted: März 22nd, 2012 | Author: | Filed under: 01 Allgemein, 02 Diary | No Comments »

Ist man skeptisch oder hat man Vertrauen? Das entscheidet man noch bevor man jemanden richtig kennenlernt. Aber was, wenn sich Kopf und Bauchgefühl nicht einig sind? Was, wenn der Verstand sagt “Sei doch nicht so bescheuert! Das geht gegen jede Logik!” und der ganze Rest meint “Scheiß drauf, du hast nix zu verlieren. Hab Vertrauen und glaub dran, dass alles gut wird!”? Dann ist das Chaos perfekt. Und jeden Tag beginnt ein neuer Kampf. Man kämpft mit sich selbst. Es ist der Ärger über sich selbst, wenn man sich dabei ertappt in schönen Worten zu schwelgen, von denen man nie weiß, ob sie eigentlich echt sind. Manchmal ist es aber auch der Ärger über die eigene Skepsis. Wo ist das Vertrauen geblieben? Mit dem Alter und den Erfahrungen lernt man viel über den Unterschied zwischen Traum und Realität. Immer und immer wieder prallt man von wunderschönen Wunschvorstellungen auf den harten Boden dessen, was wirklich passiert. Dennoch bemühen wir uns an unseren Träumen festzuhalten. Auch wenn es mit jedem Mal länger dauert an einen Ausgangspunkt zurückzukehren, von dem aus man wieder bereit ist sich wirklich auf jemanden einzulassen. Und dann geht alles wieder von vorne los. Man wagt sich hinaus, ohne Schutz, ohne Panzer. Wir schalten unseren Verstand aus und hören auf irgendwas in unserem Bauch. Aber was, wenn dieses Gefühl nichts anderes ist als Hunger? Am Ende ist es doch der Kopf, der uns beschützt. Vielleicht ist also doch Vernunft zur Abwechslung die bessere Variante, um nicht ins offene Messer zu laufen.


Herz

Posted: März 22nd, 2012 | Author: | Filed under: 01 Allgemein, 02 Diary | No Comments »

Ich zeichne ungefähr genauso gut wie ich singe. Wenn ich ein Lied anstimme, dann hat kein noch so geübter Gehörgang der Welt eine Chance zu erkennen welchen Ton ich zu treffen versuche. Beim Zeichnen reicht das Talent wenigstens noch aus um eine Runde Activity zu gewinnen. Meine Würfel, Rechtecke und Strichmännchen lassen sich eindeutig als solche identifizieren. Alles sehr geradlinig. Doch plötzlich, vor ungefähr zwei Monaten, habe ich mich dabei erwischt, wie ich – nebst einem langen Telefongespräch – angefangen habe ein Herz zu zeichnen. Ein kleines Herzchen auf ein kleines Post-it. Wer mich kennt weiß, dass ich nicht unbedingt der kitschige Typ Frau bin. Aber ja, ich zeichne Herzen. Und zwar in Situationen, in denen eine ganz bestimmte Laune mit einer Kombination aus Mangel an zeichnerischen Fähigkeiten und temporärer, symbolischer Einfallslosigkeit zusammenprallt.

Da liegt es also. Das Post-it. Und nachdem das Telefongespräch beendet ist beginne ich mich zu fragen, wo es eigentlich gerade herkommt. Das mit dem Herz. Ich denke nicht lange darüber nach, ziehe es ab und klebe es an meine Raufasertapete. Hm. Wie kann ein Wort mit weiblichem Artikel nur so männlich klingen? RAUFASERTAPETE! Die ist nicht nur rau, die ist grob. Holprig. Kalt. Völlig unkreativ. Und überhaupt. Aber man kommt einfach nicht an ihr vorbei. Wahrscheinlich vor allem deshalb, weil es sowas wie eine Zartfasertapete nicht gibt. Mich persönlich stört das nicht. Zarte Seiten kommen mir erst gar nicht ins Haus. Zart bin ich selbst. Naja, ab und zu. Zum Beispiel, wenn ich Herzen auf ein Post-it zeichne. Was wir also brauchen, das Post-it und ich, ist ein adäquater Gegenpol. Ersteres hat seinen offenbar gefunden. Und zwar in Form meiner Raufasertapete. Es ist wirklich kaum zu fassen. Da denkt man das kann doch nicht funktionieren. Und dann hält es. Einfach so. Seit mittlerweile zwei Monaten sind die beiden unzertrennlich.

So unbegabt ich beim Zeichnen und Singen auch sein mag, so sehr weiß ich Symbolkraft zu schätzen. Ich behalte also das Post-it im Auge und glaube auch weiterhin an das Unmögliche. Vielleicht werde ja auch ich eines Tages mal irgendwo kleben bleiben.


glückl(ich)

Posted: März 22nd, 2012 | Author: | Filed under: 01 Allgemein, 04 Eure Idee, meine Geschichte - Advent 2011 | No Comments »

Für Philipp B.:

“Ihr gebt mir eure Idee, ich geb´ euch meine Geschichte” – Das war das Motto für den Advent hier auf wienwerk.at. Tja, und weil ich es bin, die hinter diesem grandiosen Einfall steckt, sollte es niemanden wundern, dass hier so manches irgendwie anders läuft. Der Advent wird also kurzerhand bis in den März hinein ausgedehnt. Weil aber alles irgendwann ein Ende hat und auch ich mich endlich mit der Tatsache auseinandersetzen muss, dass der Sommer so gut wie vor der Tür steht, gibt es jetzt den letzten Advent-Beitrag zu einem Thema, das ohnehin zu jeder Jahreszeit passt. Winter oder Sommer, Dezember oder März, Österreich oder Australien: Das hier ist für dich, lieber Philipp, und für alle, die sonst noch gerne glücklich sind:

Ich habe es beobachtet. An mir selbst, und an vielen anderen. Jammern gehört zu unserem Alltag. Vor allem zum österreichischen Alltag. Es ist, als müssten wir es tun, weil wir sonst unsere Herkunft verleugnen würden indem wir die Grundfesten unserer Mentalität unterdrücken. Geht uns tatsächlich gleich der Gesprächsstoff aus, nur weil wir die Frage “Wie geht´s dir?” ausnahmsweise mal mit “Gut!” beantworten?

Glücklichsein wird zur Herausforderung. Dabei kann es doch so einfach sein! Woher ich das weiß? Ach, es ist so ein Gefühl. Ein Gefühl, auf das ich mich seit einiger Zeit besonders intensiv konzentriere. Ich halte es fest. Jeden Tag. Seit dem 1.1.2012 gibt es täglich mindestens eine Sache, die von mir offiziell für gut befunden wird. Erstes Zwischenfazit: Nun ja, entweder ich habe ganz zufällig ein wirklich spitzenmäßiges Jahr erwischt, oder aber es hilft, sich jeden Tag aufs Neue vor Augen zu führen, dass es eigentlich gar nicht so viel gibt worüber es sich zu lästern lohnt!

Hier ein Auszug aus kleinen Alltäglichkeiten, die mich in diesem Jahr schon glücklich gemacht haben:

- Ein 10-Cent-Stück unter meinem Sitzplatz im City-Airport-Train
- Die Tatsache, dass man bei Häagen-Dazs zwei Arten von Schokoladensauce gleichzeitig auf sein Eis haben kann: Die, die nach dem Drübergießen fest und knackig wird und die, die sich warm und flüssig an die Eiskugeln schmiegt. Hmmmmmmmmmmm!
- Ein netter AUA-Flugbegleiter, der mir – weil ich meine blöden Kommentare ja nicht mal beim Einsteigen in ein Flugzeug bleiben lassen kann – ein Malbuch gegeben hat, um mich auch über den Wolken kreativ zu entfalten! (Ich habe es übrigens mit Liebe ausgemalt und samt Unterschrift, Widmung und der Bitte beim Rückflug einen Muffin zu servieren wieder retourniert)
- Eine betagte Lutz-Kundin, die mich bei meinem Moderationseinsatz in Zwettl verlegen anspricht und sagt: Ich kenn´ Sie doch aus dem Fernsehen!
- Eine heiße Schokolade…im Pub…mit extra viel Milchschaum…im Bierglas serviert! Da kann keine Hopfen-Malz-Mischung der Welt mithalten sag ich euch!
- Eine sehr unterhaltsame Taxifahrt mit einem Fahrer namens Nabil, den ich inzwischen zu meinen Blog-Fans zählen darf!
usw. usw. usw.

Das Glück im Großen kommt ziemlich selten. Im Kleinen finden wir es jeden Tag. Wenn wir schaffen es wahrzunehmen!

Versteht mich nicht falsch. Ich beschwere mich noch immer. Und zwar in regelmäßigen Abständen und mit teilweise erschreckender Intensität. Ich bin eben Österreicher. Und ich bleibe es auch. Aber eben ein glücklicher Österreicher. Und genau das macht den Unterschied!


Mal Meer, mal weniger

Posted: Februar 27th, 2012 | Author: | Filed under: 01 Allgemein, 04 Eure Idee, meine Geschichte - Advent 2011 | No Comments »

Für Conny H.:

Österreich. Binnenland Österreich. Schön ist es. Bürokratisch. Konservativ. Aber schön. Flüsse, Seen, bestes Leitungswasser. Und was wollen wir? Meer!

Eingebettet zwischen allem was Europa so zu bieten hat, haben wir sicher so einiges abbekommen. Nur für einen Küstenstreifen hat´s nicht gereicht. Tja. Und seitdem die Bevölkerung explodiert und die Wohnbauten höher und höher in den Himmel ragen, gibt es nicht mal mehr den Hauch einer Chance eine Brise von den Nachbarn abzubekommen. Da hilft auch der turbulenteste Klimawandel nicht weiter. Was also tun? Richtig: Koffer packen und ab in den Stau Richtung Italien oder in den All-inclusive Urlaub nach Tunesien. Schön ist es dort. Sehr schön. Mag sein, dass wir vom dortigen Leitungswasser ab und zu mal Durchfall bekommen. Aber hey, wer Meer will muss eben mit allem rechnen!

Ich für meinen Teil habe ja ein sehr zwiespältiges Verhältnis zum Meer. Zu Wasser generell. Nicht falsch verstehen: Der Körperhygiene bin ich nicht abgeneigt, ganz im Gegenteil. Ich könnte täglich Stunden in der Badewanne verbringen. Aber eben nur weil die Wahrscheinlichkeit verdammt gering ist da drin abzusaufen. Auch der Wellengang hält sich in Grenzen. Ich kann mich also entspannen und habe eigentlich nur dann Angst um mein Leben, wenn sich in unmittelbarer Nähe ein aktives Elektrogerät befindet. Worauf ich jedenfalls hinaus möchte: Ich unterscheide. Erstens: Das Mittelmeer vom Rest. Selbiges fasziniert mich nämlich mäßig. Ja, es ist schön. Richtig nett. Wie Kaffee trinken und Kuchen essen. Auch nett. Haut mich aber nicht aus den Socken.

Neben dem Mittelmaß gibt es dann also noch das richtige Meer. Das wilde. Das tosende. Die Strömung, die uns schon umhaut, wenn wir nur bis zu den Knien im Wasser stehen. Das Meer, das für richtige Wellen sorgt. Wellen, die ich mir jedenfalls immer nur aus der Ferne ansehen werde. Das dafür aber stundenlang. Tagelang. Ein ganzes Leben lang am liebsten. Ja, was soll´s, ich beobachte nun mal wirklich lieber die Surfer an der australischen Sunshine Coast als die am Neusiedlersee.

Aber woher kommt diese Faszination? Ob wir jetzt reinspringen oder nicht, warum zieht es uns alle ans Meer? Die Weltmeere bedecken ganze 70 % der Erdoberfläche. Es ist also – geografisch gesehen – wesentlich spezieller sein Dasein in einem Binnenland zu fristen, als irgendwo am Wasser. Hm. Vielleicht ist es aber auch nur die Tatsache, dass wir Menschen immer das wollen was wir selbst nicht haben. Kann aber auch nicht sein. Woher ich das weiß? Nun ja, lasst euch erzählen: Ich hatte das Glück ein bisschen Zeit meines Lebens auf den wunderbaren Fiji Inseln zu verbringen. Ein schönes Fleckchen Erde. Ein Stück vom Paradies – wenn man von den Riesenspinnen mal absieht. Und wisst ihr was? Ich habe ein paar Einheimische kennengelernt und – wie es eben überall in der Welt so meine Art ist – sehr ausführlich mit ihnen geplaudert. Dabei hat sich herausgestellt: Die Herrschaften sind sich tatsächlich bewusst, dass sie im Garten Eden leben. Sie sind stolz, glücklich, gut gelaunt und ich bin mir sehr sicher, dass sie noch nie am Strand saßen, die Augen schlossen und dachten: Ich träume mich jetzt in ein Binnenland!

Was wollen wir eigentlich wirklich? Ist es schlicht das Salz? Ein bisschen Würze für ein langweilig gewordenes Leben? Oder brauchen wir alle einfach nur Urlaub, weil uns mal wieder alles zu viel geworden ist? Wenn die Donau allein nicht ausreicht, um stehen zu bleiben und kräftig durchzuatmen, dann – so glaube ich – hilft auch kein Meer. Vielleicht zur Abwechslung aber einfach mal weniger.


Das Glück dieser Erde

Posted: Dezember 21st, 2011 | Author: | Filed under: 01 Allgemein, 04 Eure Idee, meine Geschichte - Advent 2011 | No Comments »

Für Eva H.:

Mit Pferden verhält es sich so ähnlich wie mit dem Leben: Man stellt sich alles irgendwie einfacher vor als es ist. Helm aufn Kopf, Sattel aufs Vieh und los geht´s. So hab ich mir das auch immer gedacht. Querfeldein durch Wälder, Bäche und Wiesen. In Super-Slow-Motion mit wallender Mähne hinein in den Sonnenuntergang. Die perfekte Beziehung zwischen Mensch und Tier…naja…oder auch zwischen Stadtmädchen und Cowboy. Verzeihung, ich schweife ab. Buchstäblich. Zurück zu den Vierbeinern.

Natürlich habe auch ich meine Erfahrungen mit Pferden gemacht. Das liegt wohl größtenteils daran, dass ich eine Frau bin, was unweigerlich bedeutet, dass ich mal ein kleines Mädchen war. Ein Mädchen, das Pferdehefte mit klingenden Namen wie “Wendy” oder – mein persönlicher Favourite: “Conny” verschlungen hat. Und das so lange, bis ich mich dazu bereit fühlte diesen wunderschönen Tieren auch in der Realität zu begegnen. Begonnen hat alles auf einem kleinen Ponyhof. Und als ich dachte nichts könnte meiner Vorfreude Abbruch tun, da kam sie. Sie! Die größte Zicke, die mir im Leben je begegnet ist. In Gestalt eines Miniatur-Pferdes: April. Warum dem Tier dieser Name gegeben wurde? Diese Frage hat sich schon bald von selbst beantwortet.

April macht wirklich was sie will und steigt mir zur Begrüßung gleich mal beherzt auf die Zehen. Gut, kann passieren. Das soll meiner Reiterkarriere noch keinen Abbruch tun. Auch der matschige Platz, auf dem ich mich auf Aprils Rücken an der Longe kreisförmig durchschütteln ließ, hat mich mäßig schockiert. Vielleicht würde ich auch immer noch auf diesem kleinen weißen Pony herumreiten, wenn da nicht die Nachbarn gewesen wären. Noch heute wird mir schlecht, wenn ich nur daran denke. Die Herrschaften von nebenan haben nämlich fleissig Schafe geschlachtet. Die Ermordung selbst war zwar nicht zu beobachten, aber die an den Hinterbeinen aufgehängten Kadaver, die man in den Bach hinein ausbluten ließ, das war dann doch zu viel für meine kindliche Seele.

Weiter ging die Reiterkarriere am wunderschönen Hubertushof. Wo sonst? Ich bin mir sicher, dass mindestens jeder zweite halbwegs brauchbare Reitstall diesen Namen trägt. Und dort fand ich sie. Meine Seelenverwandte auf vier Beinen: Wendy (ja nee)! Wir waren ein Herz und eine Seele. Aber wie es auf großen Reiterhöfen eben so läuft: Wenn das Timing nicht stimmt, dann wird man für die Reitstunde schon mal für fremde Rücken eingeteilt. Und so landete ich eines Tages auf diesem Riesenkerl von Pferd. Seinen Namen habe ich inzwischen verdrängt, ich weiß nur, er muss von adeligem Blut gewesen sein. Ich erinnerte mich an April zurück und war erstaunt, dass sich Arroganz bei Pferden offenbar noch nach Stockmaß steigern lässt. Dass das geht war mir spätestens in der Halle bewusst, wo man alle möglichen Bahnfiguren reitet. Kleine Touren, große Touren…ich habe vergessen wie das alles heißt, man versucht jedenfalls den Gaul von einem Buchstaben an der Bande zum anderen zu lenken. Tja. Das Geradeaus-Reiten war ja wirklich kein Problem für das Ego des “Welthengstes” unter meinem Hintern. Aber als es dann um eine elegante Linkskurve ging, die ich hätte initiieren sollen, da war er der Meinung, dass es Zeit wäre mir zu zeigen, wer von uns beiden das letzte Wort hat. Und so standen wir da. Der Hengst mit Stolz geschwellter Brust voran mitten an der Bande. Motivation zur weiteren Bewegung: Zero-Zero.

Und die Moral von der Geschicht`? Nun, ich würde sagen, ich weiß jetzt warum – und vor allem seit wann – ich ein gestörtes Verhältnis zu dominanten Persönlichkeiten habe. Vorsichtshalber bin ich selbst eine geworden. Und das Reiten habe ich aufgegeben. Als Alpha-Tier auf einem Alpha-Tier hat man zwangsläufig schlechte Karten, vor allem wenn man so viel kleiner ist.

Aber vielleicht ist es genau das, was den Umgang mit Pferden und überhaupt das ganze Leben ausmacht: Die Beziehung. Das Vertrauen. Und die Situationen, in denen man die Kontrolle einfach mal abgibt. Entweder man lässt sich darauf ein und erlebt wunderbare Momente. Oder man fällt. Man fällt, um gleich wieder aufzustehen und weiterzumachen. Auch wenn es manchmal weh tut. Das Tolle am Reiten ist jedenfalls, dass es dafür einen Helm gibt!